Interview mit Frau Hein von LosesGlück

Smila und Lea haben Jaqueline Hein von LosesGlück, dem neuen Unverpacktladen in Aerzen, interviewt. Aber lest selbst!

Smila: Hallo Frau Hein. Wie sind sie denn auf die Idee gekommen, einen Unverpacktladen zu gründen?

Frau Hein: Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Mein Ziel war es schon immer, einen kleinen Laden zu haben, sich selbstständig zu machen. Wir selber leben auch so, achten ein bisschen auf unsere Umwelt, auf die Natur, auf Tiere. Wir wohnen in Alverdissen und sind auch immer viel nach Detmold in den Unverpacktladen gefahren oder nach Minden, je nachdem, wie sich das vom Weg her ergab. Wir haben uns einen alten Resthof geholt, mit dem Hintergedanken, auch mal einen kleinen Hofladen zu eröffnen, mit regionalen Landwirten zusammenzuarbeiten. Das hat sich aber dann quasi erledigt, weil es doch viel zu aufwendig wäre. Dann kam so die Idee: „Mensch, so ein Unverpacktstand auf dem Markt – gibt es jetzt ja in Hameln auch vom Max Ferdinand -, das wäre unser Ziel!“ Aber dann hab ich gesagt: „Nee, dieses Hin- und Herfahren ist nicht meins!“ Ich wollte es halt auch in Vollzeit machen und dachte dann, so ein Laden, das wäre schon echt toll und mein neues Ziel. So ist die Idee entstanden.

Lea: Wir sind von der Idee begeistert. Leider ist es in Aerzen und wir wohnen in Hessisch Oldendorf. Wir sind trotzdem begeistert, weil wir den FREIday for future machen.

Frau Hein: Schön, das freut mich.

Smila: Was haben Sie denn für eine Ausbildung gemacht?

Frau Hein: Ich hab als Praktikantin angefangen im Einzelhandel und hab dann die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu beginnen. Das habe ich dann gemacht: Kauffrau im Einzelhandel.

Lea: In welchen Verpackungen kriegen Sie die Ware?

Frau Hein: Das sind Großgebinde. Entweder in Kartons oder in großen Papiersäcken. Wir bekommen die Anlieferung auf Paletten, das ist nochmal so das einzige Manko, das lässt sich noch nicht so verhindern: Wenn man eine Palette angeliefert bekommt, ist immer diese Transportfolie drum herum gewickelt. Das ist das, was wir an Plastik nicht vermeiden können. Grundsätzlich bekommen wir die Ware in 5, 10 oder 20 Kilosäcken. Ich kann euch aber gleich auch nochmal einen kleinen Einblick ins Lager geben. Das ist ja schon spannend.

Smila: Wo kriegen Sie denn die Ware her?

Frau Hein: Das sind Großlieferanten, die speziell Bio-Großhändler sind, Naturkost Elkershausen heißen die. Aber ich versuche halt auch, viele kleine Landwirte zu unterstützen. Der Aspekt „regional“ ist ganz, ganz wichtig – dass man saisonal und regional einkauft. Das sind immer so kleine Familienunternehmen.

Lea: Finden Sie Ihren Beruf toll?

Frau Hein: Die Frage ist total klasse. Ja, also ich kann gar nicht anders, als mit Menschen zu arbeiten, weil ich es total schön finde, verschiedene Charaktere, verschiedene Menschen kennenzulernen. Jeder ist auf seine Art toll, wie er ist, und deswegen habe ich mich auch dazu entschlossen, den Unverpacktladen zu eröffnen. Wenn die Nachbarn bei uns reinkommen, ist es viel familiärer, als wenn man in einer großen Kette arbeitet. Ich möchte menschennah arbeiten und das habe ich mir jetzt erfüllt.

Smila: Ist ihr Laden denn teuer oder ist er eher günstig?

Frau Hein: Es kommt ganz darauf an, glaube ich, was man kaufen möchte. Es gibt gute Preisspannen. Bei Gewürzen würde ich zum Beispiel sagen, da sind wir richtig günstig. Ansonsten kann man es vergleichen mit einem Bioladen. Von der Preisschiene ist es da genau gleich. Man muss schauen, was man möchte. Bio bedeutet halt auch, dass es gute Nahrung ist. Ich schaue schon, dass es aus Deutschland kommt, dass die Frachtwege nicht so weit sind. Dementsprechend gibt man dann schon mal ein paar Cent mehr aus.

Lea: Was meinen Sie, ist der Laden für alle bezahlbar?

Frau Hein: Ja, würde ich schon sagen, wenn man drauf schaut, was man kauft. Es ist ein ganz anderer Lebensstil. Wenn ich eine Familie habe, muss ich mich halt komplett anders einstellen. Es ist nicht so, dass ich dann einfach losgehe in den Supermarkt: „Ich pack das ein und ich pack das ein“, sondern man macht sich vorher ganz, ganz doll Gedanken, was man auf dem Teller haben möchte. Vielleicht kennt ihr das auch, es gab jetzt auch das Jenke-Experiment, wo es nochmal ganz gut dargestellt worden ist, dass man sich einfach vorab Gedanken machen könnte. Dementsprechend kann man sich die Menge, die man braucht, abfüllen. Man kauft nicht zu viel ein und nimmt wirklich nur das, was man braucht.

Smila: Wie wiegt man die Ware? Wie bezahlt man?

Frau Hein: Wir haben unsere Preise in 100 Gramm und 10 Gramm. Gewürze zum Beispiel kauft man nicht in 100 Gramm, das wäre schon ein ziemlich großes Glas. Die sind immer in so kleinen Gläsern. Süßigkeiten gehen zum Beispiel nach 100 Gramm, wie man es kennt von so einer Haribotüte. Ihr bringt euer Behältnis mit, das wird vorher abgewogen, damit ihr das Behältnis an sich nicht bezahlen müsst, sondern wirklich nur den Inhalt.

Lea: Was wünschen Sie sich noch für den Laden?

Frau Hein: Für den Laden, was ich mir sonst noch wünsche? Ich glaube, dass es mehr zur Normalität wird. Dass es nicht mehr so „anders“ bedeutet für die Leute, sondern dass die Leute einfach reinkommen und sagen: „Es ist für mich so normal einzukaufen!“ Dass man diesen voreingenommenen Teil verliert – das würde ich mir wünschen. Ein Unverpacktladen ist ein ganz normaler Supermarkt, wie jeder andere auch. Ich bekomme alles, was ich brauche.

Smila: Wie funktioniert Ihr System im Laden?

Frau Hein: Meinst du, wie du einkaufen gehen kannst?

Smila: Ja.

Frau Hein: Grundsätzlich machst du dir vorab Gedanken, schreibst deinen Einkaufszettel wie sonst auch, bringst deinen Einkaufszettel mit und deine eigenen Behältnisse. Du bringst nicht nur deine Einkaufstasche mit, sondern auch deine Dosen, deine Gläser, die du zu Hause eh schon stehen hast. Einfach mal ins Küchenregal schauen, was man da so rumliegen hat. Man muss nichts Besonderes kaufen. Beutel sind auch immer super praktisch zum Einkaufen. Dann ist immer der erste Schritt zur Kundenwaage. Und dann kannst du dir das, was du auf deinem Einkaufszettel hast, abfüllen und einpacken.

Lea: Noch eine Frage: Wie ist es denn bei Ihnen, haben Sie auch Einkaufswagen, wenn die Leute mehr einkaufen?

Frau Hein: Es gibt zwei Varianten. Wir haben drei verschiedene Größen an Einkaufskörben da. Viele, die aber ihre Behältnisse mitbringen, die wissen dann schon: „Ah, okay, ich muss mehr einkaufen“, weil sie dann ja auch schon mehr Behältnisse dabei haben. Deshalb haben sie meistens schon einen großen Korb dabei. Grundsätzlich ist der Laden hier in Aerzen gut gelegen, sodass man direkt mit dem Auto oder dem Fahrrad davor parken kann und dementsprechend ist der Weg nicht so weit. Und dann hat man hier vorne die Körbe, die man mit zum Auto nehmen kann, oder seinen eigenen Korb.

Smila: Danke für Ihr Interview.

Frau Hein (lacht): Bitteschön. Danke, dass ihr da wart.

Lea: Wir gehen jetzt nochmal in ihren Laden und schauen ihn an und kaufen vielleicht noch ein paar Sachen.

Frau Hein: Sehr gerne.

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Lea: Mir hat es gut gefallen, weil sie uns alles gründlich erzählt hat und weil der Laden sauber und ordentlich war.

Smila: Mir hat es gut gefallen, weil man alles gleich auf einen Blick sehen konnte, was es da gab und man musste nicht so lange suchen. Und weil alles sehr sauber und ordentlich war.

Lea: Und sie hat uns wirklich alles gezeigt: das Lager und den Laden. Der Laden war auch nicht zu groß und nicht zu klein.

Hier findet ihr den Laden: LosesGlück Unverpackt-Laden, Amselweg 1, 31855 Aerzen

https://www.losesglueck-aerzen.de/

Ein Kommentar zu “Interview mit Frau Hein von LosesGlück

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